STUDIEN
UND ERGEBNISSE.
Finanzielle Anreize können Leerstand verändern.
Mariona Segú untersucht die französische Steuer auf leerstehende Wohnungen mit Verwaltungsdaten und einem quasiexperimentellen Vergleich. Das Working Paper berichtet für 1997 bis 2001 eine relative Verringerung der Leerstandsquote um rund 13 Prozent, besonders bei längerem Leerstand. Das sind keine 13 Prozentpunkte. [Mariona Segú]
Die Untersuchung spricht dafür, finanzielle Anreize ernst zu nehmen. Sie belegt nicht die Wirkung einer Zahlung in Höhe einer vollen Monatsmiete auf Kölner Gewerbeflächen. Wohnungsmarkt, Instrument, Zeitraum und institutioneller Rahmen unterscheiden sich. Die Übertragung ist eine zu prüfende politische Hypothese, keine belastbare Wirkungsprognose für unseren Vorschlag.
Zwischennutzung kann Kultur öffnen und zugleich verwertbar machen.
Claire Colomb analysiert am Berlin der 2000er Jahre, wie temporäre Nutzungen in Stadtmarketing und Kreativstadtpolitik eingebunden wurden. Sie beschreibt dabei auch Verdrängung, Kommerzialisierung und Konflikte um die Zukunft dieser Orte. Daraus folgt für unseren Entwurf: Öffnung braucht Regeln zum Schutz der Nutzer und eine Perspektive über den nächsten Vermarktungsschritt hinaus. [Claire Colomb]
Die Bedingungen einer Zwischennutzung
Mara Ferreri untersucht kritisch, welche unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Praktiken unter temporärer Stadtentwicklung zusammengefasst werden. Ihr Text fordert zu einem genauen Blick auf deren Versprechen auf. Unsere politische Schlussfolgerung: Nicht jede Zwischennutzung ist automatisch gemeinwohlorientiert. Entscheidend sind Zugang, Kosten, Mitsprache und verlässliche Bedingungen. [Mara Ferreri]
Die genannten Arbeiten bilden unterschiedliche Evidenzarten ab: eine quantitative Wirkungsuntersuchung, eine stadtpolitische Fallanalyse und eine kritische Diskursanalyse. Keine davon beweist für sich eine allgemeine kausale Verbesserung sozialer Gerechtigkeit durch jede Form der Zwischennutzung.